{"id":6928,"date":"2020-02-07T00:00:00","date_gmt":"2020-02-07T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lynx.legal\/news\/abtreibungsrecht-in-deutschland-keine-werbung-fuer-schwangerschaftsabbrueche\/"},"modified":"2020-02-07T00:00:00","modified_gmt":"2020-02-07T00:00:00","slug":"abtreibungsrecht-in-deutschland-keine-werbung-fuer-schwangerschaftsabbrueche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lynx.legal\/de\/abtreibungsrecht-in-deutschland-keine-werbung-fuer-schwangerschaftsabbrueche\/","title":{"rendered":"Abtreibungsrecht in Deutschland \u2013 Keine Werbung f\u00fcr Schwangerschaftsabbr\u00fcche"},"content":{"rendered":"\n<p><span>Von Werbeverboten bis Gewissensklauseln \u2013 Das Abtreibungsrecht innerhalb der EU weist teils gravierende Unterschiede auf. Auch medizinische Fachkr\u00e4fte, die keine Schwangerschaftsabbr\u00fcche durchf\u00fchren, sollten die Regelungen kennen, um Patienten mit entsprechenden Anliegen gesetzesgem\u00e4\u00df zu beraten. In einer dreiteiligen Artikelreihe geben wir einen \u00dcberblick anhand der Beispiele Polen, Litauen und Deutschland.<\/span><\/p>\n<p>Abtreibungen auf Anfrage sind vor Beendigung der 12. Schwangerschaftswoche in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal.<\/p>\n<p>Wer eine Schwangerschaft illegal abbricht, wird mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.anwalt.org\/freiheitsstrafe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freiheitsstrafe<\/a> von&nbsp;bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<\/p>\n<p>Ein&nbsp;medikament\u00f6ser Schwangerschaftsabbruch&nbsp;oder ein \u00e4hnlicher Eingriff ist f\u00fcr die Beteiligten&nbsp;nach \u00a7 218a StGB straffrei, wenn folgende&nbsp;drei Voraussetzungen&nbsp;erf\u00fcllt sind:<\/p>\n<u>\n<li>Die Schwangere hat sich bei einer&nbsp;staatlich anerkannten Stelle einer Beratung unterzogen, die l\u00e4nger als drei Tage her ist und hat sich entsprechend vor dem Eingriff beraten lassen<\/li>\n<li>Die&nbsp;Abtreibung&nbsp;wird&nbsp;von&nbsp;einem&nbsp;Arzt durchgef\u00fchrt<\/li>\n<li>Die&nbsp;12. Schwangerschaftswoche&nbsp;ist&nbsp;noch nicht beendet<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Schwangerschaft darf in Deutschland nur dann nach der 12. Schwangerschaftswoche abgebrochen werden, wenn sie auf eine sexuelle Gewalttat zur\u00fcckzuf\u00fchren ist oder wenn ein medizinisch schwerwiegender Grund vorliegt. Entscheidend ist in diesen F\u00e4llen das k\u00f6rperliche und psychische Wohlbefinden der Mutter.<\/p>\n<p>Die Absaugmethode oder die Ausschabmethode ist von der 5. bis 12. Schwangerschaftswoche m\u00f6glich. Der medikament\u00f6se Abbruch ist nur in der fr\u00fchen Schwangerschaftsphase bis zur 9. Schwangerschaftswoche m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Jede gesetzliche Krankenkasse \u00fcbernimmt die Kosten einer Abtreibung, wenn der F\u00f6tus aus gesundheitsgef\u00e4hrdenden Gr\u00fcnden f\u00fcr die Frau oder infolge einer Vergewaltigung abgetrieben wird. Sonstige Schwangerschaftsabbr\u00fcche werden von der gesetzlichen Krankenkasse nur unter bestimmten Voraussetzungen \u00fcbernommen. In jedem Fall \u00fcbernimmt die Krankenkasse jedoch die \u00e4rztliche Beratung vor der Abtreibung, die Betreuung durch den Arzt vor und nach dem Eingriff und die Behandlung von Komplikationen. Wenn sich eine schwangere Frau eine Abtreibung nicht leisten kann, ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostentragung durch den Staat m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Das Strafgesetzbuch verbot es \u00c4rzten jedoch bis M\u00e4rz des vergangenen Jahres, des Verm\u00f6gensvorteils wegen oder in grob anst\u00f6\u00dfiger Weise \u00f6ffentlich \u00fcber die M\u00f6glichkeit des Schwangerschaftsabbruchs zu unterrichten. Dabei geht es um eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder F\u00f6rderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder Mittel, Gegenst\u00e4nde oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind. Wer diese anbietet, ank\u00fcndigt, anpreist oder Erkl\u00e4rungen solchen Inhalts bekanntgibt, kann zu einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt werden. Diese Regelung, welche noch auf die Zeit des Nationalsozialismus zur\u00fcckgeht, war lange Zeit umstritten, da sie dazu f\u00fchrte, dass \u00c4rzte, die Schwangerschaftsabbr\u00fcche beispielsweise auf ihrer Webseite unter ihren Leistungen auff\u00fchrten, sich bereits strafbar machten.<\/p>\n<p>Mit Wirkung zum 29. M\u00e4rz 2019 trat eine neue Fassung dieses Paragraphen in Kraft, welcher ihn um weitere Ausnahmen erg\u00e4nzt. So machen sich \u00c4rzte, Krankenh\u00e4user oder Einrichtungen nicht mehr strafbar, wenn sie nur auf die Tatsache hinweisen, dass sie Schwangerschaftsabbr\u00fcche vornehmen. Sie d\u00fcrfen jedoch weiterhin nicht \u00f6ffentlich dar\u00fcber informieren, welche Methoden m\u00f6glich bzw. sinnvoll sind und welche davon sie anbieten. Hierzu m\u00fcssen sie auf Informationen einer zust\u00e4ndigen Bundes- oder Landesbeh\u00f6rde, einer Beratungsstelle nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz oder einer \u00c4rztekammer verweisen.<\/p>\n<p>Quelle:&nbsp;<span>Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Werbeverboten bis Gewissensklauseln \u2013 Das Abtreibungsrecht innerhalb der EU weist teils gravierende Unterschiede auf. Auch medizinische Fachkr\u00e4fte, die keine Schwangerschaftsabbr\u00fcche durchf\u00fchren, sollten die Regelungen kennen, um Patienten mit entsprechenden Anliegen gesetzesgem\u00e4\u00df zu beraten. In einer dreiteiligen Artikelreihe geben wir einen \u00dcberblick anhand der Beispiele Polen, Litauen und Deutschland. 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