{"id":6917,"date":"2018-03-06T00:00:00","date_gmt":"2018-03-06T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lynx.legal\/news\/die-pflicht-eines-verguetungssystems-fuer-arbeitnehmer\/"},"modified":"2018-03-06T00:00:00","modified_gmt":"2018-03-06T00:00:00","slug":"die-pflicht-eines-verguetungssystems-fuer-arbeitnehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lynx.legal\/de\/die-pflicht-eines-verguetungssystems-fuer-arbeitnehmer\/","title":{"rendered":"Die Pflicht eines Verg\u00fctungssystems f\u00fcr Arbeitnehmer"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00f6gliche Kriterien zum Aufbau eines betrieblichen Verg\u00fctungssystems nach dem Genfer Schema<\/p>\n<p>Autor: Lennart Mewes, Referendar am Landgericht Dresden (zur Zeit bei bnt Vilnius)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einleitung<\/p>\n<p>Durch die \u00c4nderung des Arbeitsgesetzbuches der Republik Litauen ist ein Arbeitgeber mit einer Arbeitnehmeranzahl von mindestens 20 Personen dazu verpflichtet, in einem eigenen Verg\u00fctungssystem unter anderem eine Auflistung der Geh\u00e4lter jeder Arbeitsgruppe seines Unternehmens zu erstellen. Wie diese Liste aussehen muss und welche Kriterien an sie gestellt werden, ist aufgrund der noch jungen Gesetzgebung bisher jedoch unklar, was vielen Arbeitgebern zus\u00e4tzliche Unsicherheit bereitet.<\/p>\n<p>Das Ziel der Gesetzes\u00e4nderung ist es, Transparenz f\u00fcr Arbeitnehmer zu schaffen. Dadurch sollen ihnen ihre Aufstiegschancen aufgezeigt und ein Anreiz f\u00fcr Weiterbildungen geschaffen werden. Gleichzeitig dient sie der Klassifizierung der Berufe und f\u00f6rdert die Gleichheit der Geh\u00e4lter. Ein Arbeitnehmer muss daraus entnehmen k\u00f6nnen, wie sich sein und andere Geh\u00e4lter zusammensetzen. Die Kriterien f\u00fcr die Zusammenstellung des Gehalts k\u00f6nnen sowohl in der Person des Arbeitnehmers, als auch in den \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen der T\u00e4tigkeit und seiner Umgebung liegen.<\/p>\n<p>Das 1950 erstellte sogenannte Genfer Schema ist eine gute Vorlage zur Entwicklung einer solchen Liste. Es diente dazu, eine Grundlage f\u00fcr Arbeitsplatzanforderungen und Arbeitsbewertung zu schaffen. Es teilt sich in 4 Punkte: geistige T\u00e4tigkeit, k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeit, Verantwortung und Umgebungseinfl\u00fcsse. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie eine solche Liste nach diesem Schema aussehen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Einteilung nach dem Genfer Schema<\/p>\n<p>Das Genfer Schema zielt auf zwei besondere Faktoren f\u00fcr die Bewertung von Arbeitsleistungen ab: K\u00f6nnen und Belastung des Arbeitnehmers. Diese bestimmen, welche Wertung eine T\u00e4tigkeit hat und damit auch welche Verg\u00fctung sie verdient. <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst unterteilt das Genfer Schema das K\u00f6nnen des Arbeitnehmers in geistige und k\u00f6rperliche Arbeit. Die Trennung ist nachvollziehbar, da die Charakteristika beider Arbeitsarten so unterschiedlich sind, dass eine genaue Klassifizierung sonst nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Diese Einteilung sollte allerdings nicht als qualitative Wertung der T\u00e4tigkeiten verstanden werden. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer der beiden Gruppen ist noch kein Garant f\u00fcr ein h\u00f6heres Gehalt. <\/p>\n<p>Gibt es Arbeitspl\u00e4tze, die beide Kriterien erf\u00fcllen, so muss nach dem entsprechenden Anteil der Arbeit qualifiziert werden. Je nachdem wo der Schwerpunkt liegt, wird der Arbeitnehmer einer der beiden Kategorien zugeordnet.<\/p>\n<p>Nach der Zuordnung wird die Belastung auf den Arbeitnehmer durch seine T\u00e4tigkeit bestimmt. Je h\u00f6her sie ist, desto h\u00f6her muss sein Gehalt ausfallen. <\/p>\n<p>Neben den grunds\u00e4tzlichen, kommen weitere spezielle Belastungen &#8211; Verantwortung und Umgebungseinfl\u00fcsse &#8211; hinzu. Das K\u00f6nnen eines Arbeitnehmers ist hier nicht mehr direkt ein Kriterium. Zwar bedarf es f\u00fcr bestimmte zus\u00e4tzliche T\u00e4tigkeiten einer weiteren Qualifikation, dennoch steht dabei die zus\u00e4tzliche Belastung im Vordergrund der Bewertung. <\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Verantwortung kann z.B. die Leitung von mehreren Mitarbeitern oder die Leitung des Kassensystems einer Firma sein. Interessant ist der Umgang mit bestimmten Personen oder Stoffen, wozu der Arbeitnehmer aber eine zus\u00e4tzliche Qualifikation braucht. Erwirbt er diese, kann er in eine h\u00f6here Gehaltsstufe aufsteigen. Je nachdem, wie hoch die jeweilige Verantwortung und die damit einhergehenden Zusatzqualifikationen sind, steigt auch das Gehalt des Arbeitnehmers. <\/p>\n<p>Umgebungseinfl\u00fcsse sind von au\u00dfen, teilweise unabh\u00e4ngig von der T\u00e4tigkeit oder des Betriebes, auf den Arbeitnehmer eindringende Beeintr\u00e4chtigungen. Sei es, das ganzj\u00e4hrig drau\u00dfen gearbeitet werden muss oder aber die T\u00e4tigkeiten nur an bestimmten Orten auszuf\u00fchren sind. Auch hier steigt das Gehalt mit der h\u00f6heren Belastung oder auch Gefahr, der ein Arbeitnehmer ausgesetzt ist. <\/p>\n<p>Kritik kann allerdings dahingegen ge\u00e4u\u00dfert werde, dass das Genfer Schema die Betriebszugeh\u00f6rigkeit eines Arbeitnehmer als Kriterium nicht mit einbezieht. Das dadurch das Gehalt eines Arbeitnehmers steigt, ist in Litauen jedoch durchaus \u00fcblich. In Anbetracht des Ziels des Schemas war dies aber auch nicht n\u00f6tig. Es diente der Bewertung einer T\u00e4tigkeit rein bez\u00fcglich K\u00f6nnens und der Belastung. Die Betriebszugeh\u00f6rigkeit hat darauf aber gerade keinen Einfluss. Nach dieser Aufteilung werden somit fast alle Kriterien zur Gehaltsbildung aussch\u00f6pfend ber\u00fccksichtigt. Es werden insbesondere die beiden wichtigsten Kriterien zur Beurteilung einer Arbeit ausreichend ber\u00fccksichtigt; K\u00f6nnen und Belastung eines Arbeitnehmers. <\/p>\n<p>Ergebnis<\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass das Genfer Schema sehr gut geeignet ist, ein Verg\u00fctungssystem f\u00fcr Arbeitnehmer zu erstellen. Folgt man den Gedanken dieses Schemas ergibt sich ein f\u00fcr jedermann nachvollziehbarer Aufbau der Zusammenstellung eines Gehaltes. Zu beachten ist aber, dass auch die Betriebszugeh\u00f6rigkeit mit in einflie\u00dfen muss. Aus diesem Grund ist das Genfer Schema auch nicht als abschlie\u00dfend zu betrachten, sondern als Leitfaden zur Bildung eines nachvollziehbaren und Transparenten Verg\u00fctungssystems. Dadurch ist es jedem Arbeitnehmer in einem Betrieb m\u00f6glich, sich selbst einzusch\u00e4tzen. Gleichzeitig gibt ihm das die M\u00f6glichkeit, sich gezielt weiterzubilden und in eine h\u00f6here Gehaltsklasse aufzusteigen. Das Genfer Schema sollte somit dem Ziel der Gesetzes\u00e4nderung und der Pflicht des Verg\u00fctungssystems gerecht werden. <\/p>\n<p>Dennoch bleibt es abzuwarten, was durch den litauischen Gesetzgeber und die Gerichte zu diesem Thema in den n\u00e4chsten Jahren ausgef\u00fchrt wird. Da es sich um eine besonders junge Gesetzes\u00e4nderung handelt, kann eine \u00c4nderung der Anforderungen jederzeit geschehen. Es ist daher wichtig, das Verg\u00fctungssystem stets auf dem aktuellen Stand zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6gliche Kriterien zum Aufbau eines betrieblichen Verg\u00fctungssystems nach dem Genfer Schema Autor: Lennart Mewes, Referendar am Landgericht Dresden (zur Zeit bei bnt Vilnius) &nbsp; Einleitung Durch die \u00c4nderung des Arbeitsgesetzbuches der Republik Litauen ist ein Arbeitgeber mit einer Arbeitnehmeranzahl von mindestens 20 Personen dazu verpflichtet, in einem eigenen Verg\u00fctungssystem unter anderem eine Auflistung der Geh\u00e4lter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5465,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[80],"tags":[66],"class_list":["post-6917","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bnt","tag-germany"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6917","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6917"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6917\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}