{"id":19672,"date":"2026-10-23T10:21:59","date_gmt":"2026-10-23T10:21:59","guid":{"rendered":"https:\/\/lynx.legal\/europaeische-nachlasszeugnisse-enz-muessen-mit-der-angabe-von-grundstuecken-im-zielland-ausgestellt-werden\/"},"modified":"2026-10-26T09:55:41","modified_gmt":"2026-10-26T09:55:41","slug":"europaeische-nachlasszeugnisse-enz-muessen-mit-der-angabe-von-grundstuecken-im-zielland-ausgestellt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lynx.legal\/de\/europaeische-nachlasszeugnisse-enz-muessen-mit-der-angabe-von-grundstuecken-im-zielland-ausgestellt-werden\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Nachlasszeugnisse (ENZ) m\u00fcssen mit der Angabe von Grundst\u00fccken im Zielland ausgestellt werden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der EuGH hat im Urteil <em>\u201eMarwanak\u201c<\/em> (C-873\/24) am 22. Oktober 2026 einen fast zehn Jahre alten Streit entschieden: Europ\u00e4ische Nachlasszeugnisse (abgek\u00fcrzt ENZ, engl.: ESC, tsch. EDO), die im Jahre 2015 durch die Europ\u00e4ische Erbverordnung\u2013 VO 650\/2012\/EU &#8211; eingef\u00fchrt worden waren, m\u00fcssen im Punkt 9 des Formulars V., Anlage IV. mit der Angabe von Grundst\u00fccken im Zielland ausgestellt werden, wenn diese Angabe f\u00fcr die Umtragung im Grundbuch im Zielland erforderlich ist und der Antragsteller dies beantragt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Entscheidung <em>Marwanak<\/em> kn\u00fcpft an das Urteil \u201e<em>Registr\u0173 centras<\/em>\u201c (EuGH vom 8. M\u00e4rz 2023, C-354\/21) an, in dem die Frage entschieden wurde, ob bei einem Fehlen der Angabe von Immobilien in einem ENZ die Beh\u00f6rde im Zielland darauf bestehen kann, dass das ENZ mit einer solchen Angabe vorgelegt werden muss. Diese Frage hatte der EuGH vor dreieinhalb Jahren bejaht, aber die Frage war offengeblieben, ob die das ENZ ausstellenden Beh\u00f6rden \u00fcberhaupt verpflichtet sind, diese Eintragung vorzunehmen.<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage hat der EuGH im Urteil \u201e<em>Marwanak<\/em>\u201c, der einen vom Verfasser vertretenen Fall beim AG F\u00fcrth (Bay.) betrifft, in dem es um ein Grundst\u00fcck im Egerland (bei Sokolov) ging, nun ebenfalls bejaht. Dabei verwarf er das Argument, dass eine Eintragung bei deutschen Erbf\u00e4llen aufgrund der ohnehin kraft Gesetzes eintretenden Gesamtrechtsnachfolge entbehrlich sei. Diese insbesondere von bayerischen und nordrheinwestf\u00e4lischen Oberlandesgerichten in der Vergangenheit vertretene Auffassung vermochte den EuGH im Ergebnis nicht zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt wies der EuGH auch das Argument zur\u00fcck, eine Eintragung von Grundst\u00fccken im ENZ sei dann nicht notwendig, wenn die Eintragung im Zielland auch mithilfe von zus\u00e4tzlichen Unterlagen erlangt werden k\u00f6nnte. In der Tschechischen Republik betrifft dies etwa die sog. Ehrenerkl\u00e4rung von Erben nach der Katasterverordnung, die im Jahre 2020 eingef\u00fchrt wurde, um die Eintragung von Erben in das Grundbuch bei den vielen notleidenden F\u00e4llen, die meist aus Bayern stammten, \u00fcberhaupt erst zu erm\u00f6glich. Der EuGH stellte klar, das ENZ selbst die Eintragung erm\u00f6glichen sollte.<\/p>\n\n<p class=\"has-forest-mist-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fcr deutsche Nachlassgerichte und Notare<\/strong> d\u00fcrfte sich die Umsetzung in der Praxis nun anspruchsvoller gestalten, da sie sich mit den Anforderungen an die Eintragung ausl\u00e4ndischer Grundst\u00fccke in den jeweiligen Registern im Zielland auseinandersetzen m\u00fcssen. Mit Art. 66 Abs. 5 EuErbVO steht ihnen hierf\u00fcr jedoch ein Instrument zur Verf\u00fcgung: die Amtshilfe zwischen den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden der Mitgliedstaaten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/infocuria.curia.europa.eu\/tabs\/jurisprudence?lang=EN&amp;logicDocId=id_328432&amp;publishedId=C-873%2F24&amp;searchTerm=%2522C%252D873%252F24%2522&amp;utm_source=chatgpt.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">InfoCuria &#8211; Cour de justice de l\u2019Union europ\u00e9enne<\/a><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autor: <a href=\"https:\/\/lynx.legal\/de\/team\/stephan-heidenhain\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/lynx.legal\/team\/stephan-heidenhain-2\/\">Dr. iur. Stephan Heidenhain<\/a>, Senior Associate, <a href=\"https:\/\/lynx.legal\/de\/taetigkeitsbereiche\/streitschlichtung\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/lynx.legal\/de\/taetigkeitsbereiche\/streitschlichtung\/\">Dispute Resolution<\/a>, LYNX Czech Republic<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der EuGH hat im Urteil \u201eMarwanak\u201c (C-873\/24) am 22. Oktober 2026 einen fast zehn Jahre alten Streit entschieden: Europ\u00e4ische Nachlasszeugnisse (abgek\u00fcrzt ENZ, engl.: ESC, tsch. 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