{"id":18736,"date":"2026-08-18T12:21:42","date_gmt":"2026-08-18T12:21:42","guid":{"rendered":"https:\/\/lynx.legal\/aktuelle-rechtsprechung-zur-anerkennung-einer-schuld-durch-den-schuldner-in-form-einer-notariellen-urkunde-mit-vollstreckungsklausel\/"},"modified":"2026-08-18T13:06:16","modified_gmt":"2026-08-18T13:06:16","slug":"aktuelle-rechtsprechung-zur-anerkennung-einer-schuld-durch-den-schuldner-in-form-einer-notariellen-urkunde-mit-vollstreckungsklausel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lynx.legal\/de\/aktuelle-rechtsprechung-zur-anerkennung-einer-schuld-durch-den-schuldner-in-form-einer-notariellen-urkunde-mit-vollstreckungsklausel\/","title":{"rendered":"Aktuelle Rechtsprechung zur Anerkennung einer Schuld durch den Schuldner in Form einer notariellen Urkunde mit Vollstreckungsklausel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Besicherung von Krediten durch notarielle Urkunden mit unmittelbarer Vollstreckbarkeit steht vor einem grundlegenden Wandel. K\u00f6nnen Strafgeb\u00fchren, die erst nach der Unterzeichnung der Urkunde entstanden sind, vermittels dieser beigetrieben werden? <\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die langj\u00e4hrige Praxis, bei der Schuldner in notariellen Urkunden vorsorglich nicht nur die Hauptforderung, sondern auch k\u00fcnftige Verzugszinsen und Vertragsstrafen anerkannten, ist komplizierter geworden. Der Oberste Gerichtshof hat in j\u00fcngsten Entscheidungen (Aktenzeichen 20 Cdo 2680\/2025 und 20 Cdo 2841\/ 2025) best\u00e4tigt, dass eine einseitige Schuldanerkennung in Form einer notariellen Urkunde gem\u00e4\u00df \u00a7 71a Abs. 2 der Notarordnung in Bezug auf Anspr\u00fcche, die zum Zeitpunkt der Erstellung der notariellen Urkunde noch nicht bestanden, materiell nicht vollstreckbar ist. <\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>In beiden oben genannten F\u00e4llen kam der Oberste Gerichtshof zu folgendem Schluss:<\/strong><\/h3>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die notariellen Urkunden wurden gem\u00e4\u00df \u00a7 71a der Notarordnung zu einem Zeitpunkt erstellt, zu dem der Schuldner noch nicht in Verzug war (in einem Fall wurde die notarielle Urkunde gleichzeitig mit dem Kreditvertrag erstellt, im anderen Fall zwei Tage nach Abschluss des Kreditvertrags).\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Anspruch auf Verzugszinsen und Vertragsstrafen (die an k\u00fcnftige Pflichtverletzungen gekn\u00fcpft sind) war daher noch nicht entstanden und<\/li>\n\n\n\n<li>Die Schuld bestand damit zum Zeitpunkt der Anerkennung noch nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Bestehen der Schuld als Voraussetzung f\u00fcr die Vollstreckbarkeit.<\/strong><\/h2>\n\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#f5fef0\">\u00a7 2053 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs gr\u00fcndet die Anerkennung einer Schuld auf der Rechtsvermutung, dass die Schuld im Umfang der Anerkennung zum Zeitpunkt der Anerkennung besteht. Der Oberste Gerichtshof hat festgestellt, dass eine Schuld, die erst in Zukunft entstehen soll, nicht wirksam anerkannt werden kann. Wenn also der Schuldner die Schuld aus einem Kredit am Tag seiner Gew\u00e4hrung anerkennt, kann er nicht gleichzeitig Verzugszinsen oder Vertragsstrafen, die an k\u00fcnftige Pflichtverletzungen gekn\u00fcpft sind, rechtswirksam anerkennen, da diese Anspr\u00fcche zu diesem Zeitpunkt faktisch noch nicht bestehen.  <\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Akzessorit\u00e4t der Nebenforderungen reicht nicht aus.<\/strong><\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gerichte wiesen das Argument der Gl\u00e4ubiger zur\u00fcck, dass die Nebenforderungen (Zinsen) das \u201eSchicksal der Hauptforderung teilen\u201c sollten. Verzugszinsen und Vertragsstrafen gelten als eigenst\u00e4ndige materiell-rechtliche Anspr\u00fcche. Die Tatsache, dass sie akzessorisch zur Hauptforderung stehen, bedeutet nicht, dass sie anerkannt werden k\u00f6nnen, bevor ein Anspruch darauf infolge des Verzugs des Schuldners entsteht.  <\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auswirkungen auf die Praxis der Gl\u00e4ubiger.<\/strong><\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung in der Rechtsprechung setzt der bisherigen Vorgehensweise der Gl\u00e4ubiger ein Ende, die ihre Forderungen bislang umfassend gleichzeitig mit dem Abschluss eines Kreditvertrags oder eines \u00e4hnlichen Vertrags gesichert haben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine gleichzeitig mit dem Kreditvertrag errichtete notarielle Urkunde bleibt zwar ein vollstreckbarer Vollstreckungstitel f\u00fcr die Hauptforderung, f\u00fcr k\u00fcnftige Sanktionen ist eine solche notarielle Urkunde jedoch als Vollstreckungstitel unbrauchbar.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>F\u00fcr Gl\u00e4ubiger&#8230;<\/strong><\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Gl\u00e4ubiger ergeben sich daraus drei m\u00f6gliche Handlungsoptionen: die Erstellung der notariellen Urkunde zeitlich besser abzustimmen (n\u00e4mlich erst nach Eintritt des Zahlungsverzugs des Schuldners), die einseitige Anerkennung durch eine zweiseitige Vereinbarung gem\u00e4\u00df \u00a7 71b der Notarordnung zu ersetzen, oder eine andere Art der Sicherung zu w\u00e4hlen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor:<\/strong> <a href=\"https:\/\/lynx.legal\/de\/team\/hana-maresova\/\">Hana Mare\u0161ov\u00e1<\/a>, Associate, <a href=\"https:\/\/lynx.legal\/de\/taetigkeitsbereiche\/streitschlichtung\/\">Dispute Resolution<\/a>, LYNX Czech Republic<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Beschluss des Obersten Gerichts, Aktenzeichen 20 Cdo 2680\/2025 und 20 Cdo 2841\/2025 <br\/>Gesetz Nr. 358\/1992 Slg. \u00fcber Notare und ihre T\u00e4tigkeit (Notarordnung) <br\/>Gesetz Nr. 89\/2012 Slg., B\u00fcrgerliches Gesetzbuch<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Besicherung von Krediten durch notarielle Urkunden mit unmittelbarer Vollstreckbarkeit steht vor einem grundlegenden Wandel. 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