{"id":17239,"date":"2026-05-11T07:59:36","date_gmt":"2026-05-11T07:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/lynx.legal\/wann-entsteht-bei-der-streichung-einer-stelle-ein-anspruch-auf-abfindung\/"},"modified":"2026-05-12T10:59:23","modified_gmt":"2026-05-12T10:59:23","slug":"wann-entsteht-bei-der-streichung-einer-stelle-ein-anspruch-auf-abfindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lynx.legal\/de\/wann-entsteht-bei-der-streichung-einer-stelle-ein-anspruch-auf-abfindung\/","title":{"rendered":"Wann entsteht bei der Streichung einer Stelle ein Anspruch auf Abfindung?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wann haben Sie Anspruch auf eine Abfindung und wann nicht? Es reicht nicht aus, dass der Arbeitgeber eine \u00c4nderung als \u201eStreichung der Stelle\u201c bezeichnet. Entscheidend ist, ob die Stelle tats\u00e4chlich weggefallen ist \u2013 und genau dies hat der Oberste Gerichtshof in einer k\u00fcrzlich ergangenen Entscheidung klargestellt.  <\/strong><\/p>\n\n<p><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie l\u00e4sst sich feststellen, dass eine Stelle tats\u00e4chlich gestrichen wurde<\/h2>\n\n<p><\/p>\n\n<p>Der Oberste Gerichtshof hat in seinem Urteil (Aktenzeichen 21 Cdo 3286\/2024) gepr\u00fcft, unter welchen Umst\u00e4nden eine Stelle als tats\u00e4chlich gestrichen angesehen werden kann.<\/p>\n\n<p>Entscheidend ist nicht die formale Bezeichnung der \u00c4nderung, sondern der tats\u00e4chliche Sachverhalt. Ausschlaggebend ist, welche T\u00e4tigkeit der Arbeitnehmer aus\u00fcbt. <\/p>\n\n<p>Wenn ein neuer Arbeitnehmer eine zuvor \u201egestrichene\u201c Stelle antritt und dieselbe Arbeit verrichtet, wenn auch mit einem anderen Arbeitszeitumfang, kann nicht darauf geschlossen werden, dass die Stelle weggefallen ist.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wann kein Anspruch auf Abfindung entsteht<br\/><\/h2>\n\n<p>Ein Anspruch auf Abfindung entsteht nicht in einer Situation, in der die Stelle faktisch nicht weggefallen ist.<\/p>\n\n<p>Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Stelle weiterhin in der Organisationsstruktur des Unternehmens existier<\/li>\n\n\n\n<li>sie mit einer anderen Person besetzt wurde, oder<\/li>\n\n\n\n<li>lediglich eine \u00c4nderung der Bedingungen (z. B. des Arbeitszeitumfangs) stattgefunden hat.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p>In einem solchen Fall ist die Voraussetzung einer tats\u00e4chlichen organisatorischen Ver\u00e4nderung nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch eine langfristige Unbesetztheit bedeutet keine Aufhebung der Stelle<\/h2>\n\n<p><\/p>\n\n<p>Das Gericht befasste sich auch mit der Situation, in der eine Stelle \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum unbesetzt bleibt.<\/p>\n\n<p>Auch diese Tatsache bedeutet f\u00fcr sich genommen noch nicht, dass die Stelle aufgehoben wurde. Entscheidend ist, ob der Arbeitgeber nachweislich bem\u00fcht ist, sie zu besetzen, beispielsweise durch die aktive Suche nach Kandidaten. <\/p>\n\n<p>Ist dies der Fall, besteht die Stelle aus rechtlicher Sicht weiterhin.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-background has-border-color has-fixed-layout\" style=\"background-color:#f5fef0;border-color:#f5fef0;border-width:20px\"><tbody><tr><td><strong>WAS IST IN DER PRAXIS ZU BEACHTEN<\/strong><br\/><br\/>F\u00fcr den Anspruch auf eine Abfindung muss Folgendes nachgewiesen werden:<br\/><br\/>\u2192 die tats\u00e4chliche Aufhebung der Stelle<br\/>\u2192 das Vorliegen einer organisatorischen Ver\u00e4nderung und <br\/>\u2192 ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Ver\u00e4nderung und der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses.<br\/><br\/>Sind diese Voraussetzungen nicht erf\u00fcllt, entsteht kein Anspruch auf Abfindung.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n<p><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unterschied zwischen einem Streitfall \u00fcber die Abfindung und einem Streitfall \u00fcber die Unwirksamkeit der K\u00fcndigung<\/h2>\n\n<p><\/p>\n\n<p>Abschlie\u00dfend ist zu betonen, dass sich der vorliegende Fall ausschlie\u00dflich auf den Anspruch auf Abfindung bezog, nicht auf die Unwirksamkeit der K\u00fcndigung.<\/p>\n\n<p>Die Tatsache, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht erloschen ist, hat in diesen beiden Arten von Rechtsstreitigkeiten unterschiedliche Konsequenzen:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>F\u00fcr den Anspruch auf Abfindung ist die Feststellung des Bestehens des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ein Grund zur Abweisung der Leistungsklage; im Rechtsstreit wg. Unwirksamkeit der K\u00fcndigung bedeutet dies, dass kein K\u00fcndigungsgrund vorlag und das Arbeitsverh\u00e4ltnis weiterhin besteht.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p>Author: Mat\u011bj Rendl, Legal Assistant, LYNX (Czech Republic)<\/p>\n\n<p><em>Quelle: Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 11.12.2025, AZ 21 Cdo 3286\/2024  <\/em><\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann haben Sie Anspruch auf eine Abfindung und wann nicht? Es reicht nicht aus, dass der Arbeitgeber eine \u00c4nderung als \u201eStreichung der Stelle\u201c bezeichnet. Entscheidend ist, ob die Stelle tats\u00e4chlich weggefallen ist \u2013 und genau dies hat der Oberste Gerichtshof in einer k\u00fcrzlich ergangenen Entscheidung klargestellt. 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